Zunehmend Beschwerden über Beteiligungs-Sparverträge

10.08.2016

Marktwächter Finanzen weist auf problematischen Trend bei der Vermittlung von Beteiligungen in Wohnungsbaugenossenschaft für Vermögenswirksame Leistungen hin

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Haus aus Münzen und Bauklätzen, über der jamend schützen seine Hände hält
Totalverlust möglich: Sparverträge bei Wohnbaugenossenschaften sind riskant
© Jakub Krechowicz/Fotolia

Frankfurt/Berlin, 10. August 2016. Anbieter und Finanzvermittler verkaufen an Verbraucher zunehmend Beteiligungen an Wohnbaugenossenschaften als Vertrag über Vermögenswirksame Leistungen. Bereits jetzt liegen Fälle aus elf Bundesländern im Frühwarnnetzwerk des Marktwächters Finanzen vor. Nach Einschätzung der Marktwächter-Experten der Verbraucherzentrale Hessen birgt diese Praxis für Verbraucher höhere Risiken und kann im schlimmsten Fall zum Totalverlust des investierten Geldes führen.

Mit den Vermögenswirksamen Leistungen (VL) erhalten viele Arbeitnehmer einen Zuschuss vom Arbeitgeber zur Vermögensbildung. Das 5. Vermögensanlagengesetz regelt die Anlageformen für VL. Dies sind unter anderem spezielle Sparverträge von Banken, Bausparverträge, bestimmte Fonds oder Lebens- beziehungsweise Rentenversicherungsverträge. Eine weitere Möglichkeit ist auch die Beteiligung an einer Bau- oder Wohnungsgenossenschaft.

Lange Laufzeiten, Totalverlust möglich

„Nach Erkenntnissen aus unserem Frühwarnnetzwerk vertreiben Anbieter und Finanzvermittler zunehmend Beteiligungen an einer Bau- oder Wohnungsgenossenschaft als VL an Verbraucher. Hier handelt es sich aber nicht mehr um einen Sparvertrag mit einer Laufzeit von sieben Jahren, wie bei anderen VL-Verträgen üblich, sondern um eine Beteiligung an einem speziellen Unternehmen“, sagt Wolf Brandes, Teamleiter Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Hessen. „Bei diesen Beteiligungen kann die Laufzeit deutlich länger sein als bei einem VL-fähigen Sparvertrag. Zudem ist auch nicht sicher, dass bei Kündigung der Beteiligung durch den Verbraucher das investierte Geld tatsächlich ausgezahlt werden kann: Für Verbraucher kann das im schlimmsten Fall einen Totalverlust bedeuten.“

Anbieter und Vermittler klären nicht immer ausreichend auf

Aus den Beschwerden im Netzwerk geht hervor, dass solche Beteiligungen häufig über Anbieter und Finanzvermittler vertrieben wurden, die Verbraucher über das Produkt nicht ausreichend aufgeklärt haben. Den Betroffenen war weder das Risiko noch die Langfristigkeit der Verträge bewusst. Teilweise wünschten einige der Betroffenen noch nicht einmal den Abschluss eines VL-Vertrages: Vermittler boten den Vertrag im Zusammenhang mit Kreditanfragen oder Kreditvermittlungen an. Begründung: Mit Abschluss dieses Vertrages würde sich die Bonität verbessern, da man seine Sparbereitschaft signalisiere. Auffällig zudem: In mehreren Fällen kamen die Verträge über unerwünschte Telefonanrufe, Cold Calls, zustande, berichten die Betroffenen.

Betroffenen Verbrauchern rät das Marktwächter-Team aus Hessen, sich bei einer Verbraucherzentrale vor Ort unabhängigen Rat zu holen. Eine Übersicht der Beratungsstellen ist unter https://www.verbraucherzentrale.de/beratung zu finden.

Teamleitung

Wolf Brandes
Marktwächter Finanzen
Verbraucherzentrale Hessen

Ansprechpartner

Timo Beyer
Leiter Marktwächter Kommunikation
(030) 258 00-529
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