Notruf per eCall: Skepsis überwiegt bei Autofahrern

04.12.2018

Marktwächter-Befragung zeigt: Autos mit automatischem Notrufsystem noch häufig unbekannt - Skepsis bei Autofahrern noch groß

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Notruf per eCall: Skepsis überwiegt bei Autofahrern
Notruf per eCall: Skepsis überwiegt bei Autofahrern
©Bialasiewicz/123rf.com

Seit dem 31. März dieses Jahres müssen aufgrund einer EU-Verordnung neu genehmigte Fahrzeugmodelle mit eCall ausgestattet werden. Die Marktwächter-Experten der Verbraucherzentrale NRW haben untersucht, ob Verbraucher dieses automatische Notrufsystem kennen oder sogar bereits nutzen und welche Bedenken womöglich gegenüber dieser Technik bestehen. Das Ergebnis: Bei den Befragten überwiegen noch Unwissenheit und Skepsis gegenüber dem neuen Helfer in der Not. Währenddessen wird auf europäischer Ebene über die verpflichtende Einführung weiterer sicherheitssteigernder Funktionen bei Autos diskutiert.

Bei allen seit dem 31. März 2018 neu genehmigten Pkw- und leichten Nutzfahrzeug-Modellen ist ein automatisches Notrufsystem, der sogenannte eCall verpflichtend. Das System setzt nach einem Zusammenprall – je nach Schwere automatisch oder manuell – einen Notruf ab, baut eine Sprachverbindung auf und überträgt Daten, wie Zeitpunkt des Unfalls, Fahrzeugposition und Fahrzeug-ID. Mit Hilfe von Mobilfunk und Satellitenortung wird eine direkte Verbindung zur einheitlichen europäischen Notrufnummer 112 oder – sofern der Fahrzeughalter sich dafür entschieden hat – zu einem Notfall-Callcenter des Fahrzeugherstellers aufgebaut. Damit kann schnell die nötige Hilfe anrücken. „Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass in Sachen eCall noch Aufklärungsbe-darf besteht. Vor allem beim Kauf von Neuwagen ist das von Bedeutung“, stellt Ayten Öksüz vom Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale NRW fest.

eCall ist bei vielen noch unbekannt und kaum installiert

Sechs von zehn der Befragten kennen das eCall-System – immerhin 40 Prozent der bundesweit repräsentativ Befragten haben aber noch nichts vom automatischen Notrufsystem eCall im Auto gehört. Installiert ist solch ein System bislang aber nur bei einer Minderheit: Lediglich rund acht Prozent der befragten Verbraucher, die angegeben haben, Auto zu fahren, verfügen im selbstgenutzten Fahrzeug über einen solchen Notruf.

Sorgen vor möglichen Hackerangriffen und Fehlalarm

Nach den Problemen befragt, die im Zusammenhang mit der neuen Technik gesehen werden, äußerten über die Hälfte der befragten Autofahrer (52%) Bedenken vor möglichen Manipulationen durch Hacker auf das eigene Auto. Die zweitgrößte Sorge ist für 40 Prozent der befragten Autofahrer aber, dass zu viele Daten über ihr Fahrverhalten durch diese Technik erhoben werden. Jeweils rund ein Drittel fürchtet einen Alarm fälschlicherweise auszulösen (35%) oder bei Bagatellfällen, die keiner Hilfe benötigen (33%). Auch ein Versagen des Notrufs im Ernstfall befürchten einige (33%).

Empfänger eines Notrufs für die meisten unklar

Über ein Drittel aller Befragten kann nicht angeben, mit wem sich das automatische Notrufsystem verbindet, wenn es gekracht hat (37%). An eine Übermittlung der Unfallinformationen direkt an die einheitliche europäische Notrufnummer 112 glauben 31 Prozent der Teilnehmer. 13 Prozent gehen davon aus, dass der Notruf zuerst an ein spezielles Notfall-Callcenter des Fahrzeugherstellers gesendet wird. Etwa ebenso viele (14%) geben an, dass grundsätzlich beide Alternativen möglich sind. In der EU-Verordnung ist diese Wahlmöglichkeit vorgesehen.

EU-Kommission plant weitere Sicherheitssysteme

Nach dem eCall plant die EU-Kommission eine Reihe weiterer sicherheitsrelevanter Systeme verpflichtend einzuführen, wie zum Beispiel Notbremsassistenten, Unfalldatenspeicher, intelligente Geschwindigkeitsassistenten oder Vorrichtungen zum Einbau alkoholempfindlicher Wegfahrsperren. „Die Kommission muss bei aller berechtigten Hoffnung, mit digitalen Funktionen die Verkehrssicherheit zu erhöhen, Augenmaß walten lassen. Eine zu schnelle und weitgehende Einführung von Sicherheitsvorrichtungen darf nicht zu einem Zwang zum automatisierten und vernetzten Fahren führen“, sagt Marion Jungbluth, Teamleiterin Mobilität und Reisen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Der vzbv hat seine Bedenken in einer aktuellen Stellungnahme zur Verordnung über die allgemeine Fahrzeugsicherheit formuliert.

Methodik: Telefonische Mehrthemenumfrage (CATI Dual Frame). Stichprobe: bundesweit repräsentative Befragung von 1.018 Personen ab 14 Jahren (darunter 817 Befragte, die selbst Auto fahren). Untersuchungszeitraum: 25.9. bis 28.9.2018. Institut: Kantar Emnid. Statistische Fehlertoleranz: max. +/- 3 Prozentpunkte (in der Gesamtstichprobe).

Teamleitung

Foto von Ayten Öksüz
Dr. Ayten Öksüz
Marktwächter Digitale Welt
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

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Timo Beyer
Teamleiter Marktwächter Kommunikation
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