Warum investieren Menschen in riskante Geldanlagen am Grauen Kapitalmarkt?

20.09.2018

Die Marktwächter-Experten haben Verbraucher ausführlich zu ihren Motiven und Hintergründen befragt

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Riskante Anlagen: Darum investieren Menschen in Graumarktprodukte
Riskante Anlagen: Darum investieren Menschen in Graumarktprodukte
© svitlychnaja / Fotolia

Im Rahmen einer qualitativen Untersuchung haben die Marktwächter-Experten der Verbraucherzentrale Hessen Entscheidungsgründe von Verbrauchern für Geldanlegen im Grauen Kapitalmarkt näher untersucht. Sie führten ausführliche Interviews mit 16 betroffenen Anlegern, die eine Beratung bei der Verbraucherzentrale wahrgenommen haben.* Welche Motive, Umstände und Hintergründe hatten bei den Entscheidungen für ein Produkt des Grauen Kapitalmarkts eine Rolle gespielt?

Motiv: Vorsorge, Basis: Vertrauen

Die Interviews ließen einige Muster bei den Anlageentscheidungen erkennen:

  • Die Lebensumstände der befragten Verbraucher hatten sich unmittelbar vor der Investition gravierend geändert: durch die erste Festanstellung, eine Erbschaft, eine Scheidung oder der Tod des Ehepartners oder durch schwere Krankheiten. Damit änderten sich finanzielle Rahmenbedingungen, die Befragten zeigten höhere Bereitschaft oder den Bedarf, neue Verträge abzuschließen.
  • Die Beratungspraxis der Verbraucherzentralen zeigt: Bei Investitionen am Grauen Kapitalmarkt ist die Beziehung zwischen Verbraucher und dem Anlagenvermittler besonders bedeutsam. Dies hat auch eine Vorgängerstudie der Marktwächter dokumentiert. In den Interviews der aktuellen Studie antworteten Verbraucher auf die Fragen nach dem Vermittler zum Beispiel: „Jemand, den meine Eltern kannten und gute Erfahrungen gemacht hatten. Da bin ich mit einem guten Gefühl reingegangen“, oder „Ich habe dem vertraut, dem Typ, und bin betrogen worden, um es auf den Punkt zu bringen.“
  • Altersvorsorge oder finanzielle Vorsorge allgemein war ein zentrales Anlageziel bei einer Gruppe der befragten Verbraucher. Sie wollten finanzielle Sicherheiten für sich und ihre Angehörigen schaffen.
  • Immobilien sind eine vergleichsweise sichere Anlage – so lautet eine gängige Einschätzung. Bei komplexen Finanzentscheidungen orientieren sich Verbraucher oft an solch allgemeinen Daumenregeln. Aber im konkreten Fall handelte es sich nicht um eine Investition in eine Immobilie im klassischen Sinne, sondern um einen geschlossenen Immobilienfonds. Der birgt für Anleger ein hohes Risiko – bis hin zum Totalverlust, was dem betroffenen Verbraucher bei Abschluss nicht klar war.

 

* Bei qualitativen Untersuchungen stehen die Einzelfälle im Vordergrund. Anders als bei quantitativen Untersuchungen geht es nicht um Repräsentativität der Ergebnisse durch große Stichproben. Vielmehr legt man die Stichprobengröße nach dem Prinzip der Sättigung fest: Die Fälle werden so ausgewählt, dass ein weiterer Fall nicht zwingend neue Erkenntnisse bringt. Die Stichprobe in der vorliegenden Untersuchung setzte sich aus 16 Fällen zusammen. Die leitfadengestützten Tiefeninterviews dauerten durchschnittlich 90 Minuten. Sie wurden inhaltsanalytisch ausgewertet. Subjektive Einschätzungen und Einstellungen des Verbrauchers waren ebenso relevant wie die Ermittlung der dahinterliegenden Gründe und Motivationen. Alle befragten Verbraucher hatten die die Schadensfallberatung der Verbraucherzentrale Hessen aufgesucht. Erhebungszeitraum: Juli bis Dezember 2017.

Projektleitung

  • Philippe von Bremen
    Philipp von Bremen
    Projektleiter Marktwächter Finanzen beim vzbv

Teamleitung

Wolf Brandes
Marktwächter Finanzen
Verbraucherzentrale Hessen
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