Informationen für Anleger: Mehr Durchblick wäre schön

05.09.2019

Eine Untersuchung des Marktwächters Finanzen zeigt: Oft mangelt es an Transparenz

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Mehrere Fensterputzer arbeiten an der Glasfassade eines Hochhauses
Vermögensanlagen: Informationen der Anbieter oft undurchsichtig
© Pablo Rogat/123rf

Ethisch-ökologische Geldanlagen* oder Investments in Sachwerte stehen bei vielen Verbrauchern hoch im Kurs. Häufig werden sie in Form von Beteiligungen, Nachrangdarlehen oder Direktinvestments angeboten. Diese Vermögensanlagen sind ein Teil des Grauen Kapitalmarktes - und damit aus Sicht der Verbraucherzentralen für Kleinanleger problematisch:

  • Sie sind weniger stark reguliert und beaufsichtigt als zulassungspflichtige Anlageformen.
  • Sie bergen Risiken bis zum Totalverlust.
  • Chancen und Risiken sind für Verbraucher schwer abzuschätzen, denn die rechtlichen Ausgestaltungen der Verträge sind häufig sehr komplex.

Verbraucher sind also erst recht auf zuverlässige und transparente Informationen seitens der Anbieter angewiesen.

Die Marktwächter-Experten prüften deshalb im Rahmen einer Untersuchung Werbung und Unterlagen von 36 Vermögensanlagen, die im Herbst 2018 öffentlich angeboten wurden. Sie bewerteten, wie transparent die Anbieter ihre jeweiligen Vermögensanlagen in den Informationsdokumenten (dem auch „Beipackzettel“ genannten dreiseitigen Vermögensanlagen-Informationsblatt, VIB, und dem Verkaufsprospekt) und auf ihren Internetseiten darstellten.

Anlageobjekt: Darstellung oft nicht befriedigend

In mehr als zwei Drittel der Fälle (26 von 36) beschrieben die Anbieter die Anlageobjekte nicht angemessen. Anhand der Angaben im dreiseitigen Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) wurde nicht klar, worin genau Verbraucher ihr Geld investierten. Für eine transparente Darstellung müssten Verbraucher zum Beispiel bei einer Anlage in Containern das Alter, Größe und Vermietungsstatus erfahren, bei Infrastrukturprojekten Informationen zu Umfang, Lage und Leistung bekommen, bei Projekten mit regenerativen Energien Informationen zur Anbindung dieser Anlagen an Netze.

Von Natur aus undurchsichtig: Blindpools

Mit allein 21 Angeboten dominierten Blindpools oder Semi-Blindpools die Stichprobe. Wird eine Vermögensanlage in Form eines Blindpools angeboten, muss sich der Anbieter noch nicht verbindlich festlegen, in welche Anlageobjekte er die eingesammelten Gelder im Einzelnen investieren will. Aber je weniger präzise die Investitionskriterien feststehen, desto schwieriger ist es für Verbraucher, Chancen und Risiken abzuschätzen. Von den 21 untersuchten Blindpools erfüllten sechzehn die Transparenzkriterien der Verbraucherschützer nicht.

Kosten und Provisionen: Von gut verteilt bis unverständlich

Für Kosten und Provisionen können erhebliche Summen zusammenkommen – und den Ertrag der Vermögensanlage entsprechend schmälern. Damit Verbraucher hohe Kosten rechtzeitig erkennen und Fehlentscheidungen vermeiden können, müssen diese Kosten an hervorgehobener Stelle im Verkaufsprospekt abgedruckt sein – so schreibt es das Gesetz vor.** Neun der 36 untersuchten Anbieter setzten diese gesetzlichen Vorgaben aber nur unzureichend um.

Prognosen: Es kann so kommen – oder anders

Im Vermögensanlagen-Prospekt müssen sich Anbieter dazu äußern, wie sich unterschiedliche Marktentwicklungen auf die Auszahlungen auswirken, die Verbraucher erwarten können. In den geprüften Unterlagen fanden die Marktwächter-Experten teils sehr konkrete Szenarien, teils nur Allgemeinplätze. 26 der 36 untersuchten Vermögensanlagen werteten sie diesbezüglich als nicht transparent.

Werbung: Deutliche Warnhinweise müssen sein

Bei der Werbung für Vermögensanlagen muss der Anbieter laut Gesetz einen deutlich hervorgehobenen allgemeinen Hinweis abdrucken oder einblenden, dass die Anlagen zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Von den untersuchten Vermögensanlagen prüften die Marktwächter-Experten die 34 Anbieter, die ihre Produkte auf der eigenen Homepage bewarben und für die diese Angaben verpflichtend waren. Der allgemeine Risikohinweis war zwar in 29 Fällen vorhanden – davon jedoch bei 13 Anbietern nicht deutlich hervorgehoben.
Fazit: Die Informationen zu den untersuchten Vermögensanlagen (VIB, Prospekt und Werbung) boten interessierten Verbrauchern nach Einschätzung der Marktwächter-Experten insgesamt überwiegend nicht die Möglichkeit, sich angemessen, also mit Blick auf eine bewusste Anlageentscheidung zu informieren.

Methode: Für die Untersuchung wurden an zwei Stichtagen (12.9.2018 und 10.10.2018) alle Vermögensanlagen elektronisch dokumentiert, die zu diesen Zeitpunkten für eine Investition offenstanden. Hierzu wurden die Internetseiten aller Anbieter überprüft, die seit Juli 2015 eine Vermögensanlage in Deutschland emittiert haben (Veröffentlichungen im elektronischen Bundesanzeiger). Im Ergebnis wurden 36 Vermögensanlagen genauer betrachtet, die an mindestens einem der beiden Stichtage für eine Investition offenstanden. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr (2018) 59 Vermögensanlagen mit einem prospektierten Gesamtvolumen von rund 776 Millionen Euro emittiert. Damit erfasst die Untersuchung zirka 61 Prozent aller Vermögensanlagen aus dem Jahr 2018. Die in der Stichprobe ermittelten Vermögensanlagen wurden anhand eines Kriterienkatalogs überprüft, der auf Basis gesetzlicher Vorgaben (VermAnlG und Kommentierungen jeweils für die einzelnen Anlagesegmente) von den Marktwächter-Experten entwickelt wurde.

https://www.marktwaechter.de/pressemeldung/widerspruechliche-interessen-bei-der-geldanlage

** § 4 Nr. 10 und 12 Vermögensanlagen-Verkaufsprospektverordnung (VermVerkProspV)

Projektleitung

Teamleitung

Wolf Brandes
Marktwächter Finanzen
Verbraucherzentrale Hessen
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