Grauer Kapitalmarkt: Für Verbraucher Buch mit sieben Siegeln

03.03.2017

Umfrage des Marktwächters Finanzen offenbart: Verbraucher haben Schwierigkeiten, riskante Finanzprodukte des Grauen Kapitalmarkts zu erkennen

Beteiligungen, Nachrangdarlehen, Direkt­investments – der Graue Kapitalmarkt und seine Produkte sind den meisten Verbrauchern unbekannt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage, die die Verbraucherzentrale Hessen im Rahmen des Projekts Marktwächter Finanzen in Auftrag gegeben hat. Das Ergebnis zeigt außerdem: Risikohinweise sind für Verbraucher eine wichtige Entscheidungshilfe, doch wie eine Marktwächteruntersuchung zeigt, informieren Anbieter häufig intransparent.

Die überwiegende Mehrheit der Verbraucher kennt den Begriff „Grauer Kapitalmarkt“ nicht (66 %) oder nur dem Namen nach (27 %). Lediglich sechs Prozent der Befragten können erklären, worum es sich beim Grauen Kapitalmarkt handelt. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage durch das Marktforschungsinstitut Kantar EMNID im Auftrag des Marktwächters Finanzen der Verbraucherzentrale Hessen.

Diffuse Kenntnis des Grauen Kapitalmarktes

In der Umfrage gelingt weniger als der Hälfte aller Befragten die richtige Zuordnung konkreter Finanzprodukte zum Grauen Kapitalmarkt. Am häufigsten wurden – korrekt – Schiffscontainer-Direktinvestments (41 %) und Crowdinvestments (36 %) als Graumarktprodukte erkannt. Jeweils fast 30 Prozent der Befragten würden jedoch – fälschlicherweise – Aktien und Aktienfonds dem Grauen Kapitalmarkt zuordnen, immerhin 18 Prozent zählen auch Banksparpläne dazu.

Diejenigen, die zumindest eine Vorstellung davon haben (ein Drittel aller Befragten), sehen diesen Markt in erster Linie charakterisiert durch „dubiose/undurchsichtige Geschäfte“ (21 %) sowie durch „Unsicherheit und hohes Risiko“ (18 %). „Fehlende gesetzliche Regulierung und Kontrolle“ (10 %) wurden als Kennzeichen genannt. Einige verorten den Grauen Kapitalmarkt „am Rande der Legalität“ (10 %). „Somit scheint zumindest ein Teil der Verbraucher für die Risiken des Grauen Kapitalmarkts sensibilisiert zu sein. Unserer Ansicht nach machen die Anbieter ihnen den Durchblick nicht leicht“, sagt Wolf Brandes, Teamleiter Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Hessen.

Graumarktprodukte für Verbraucher schwer zu erkennen

„Die Ergebnisse sind auch darauf zurückzuführen, dass viele Produkte des Grauen Kapitalmarktes nicht als solche zu erkennen sind“, so Brandes. „Die Werbung der Anbieter ist oft intransparent, die Art der Geldanlage und die damit verbundenen Gefahren für Verbraucher bleiben häufig unklar.“ Insbesondere Risiken werden in vielen Fällen verschleiert oder zu positiv dargestellt, wie eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Hessen im Rahmen des Projektes Marktwächter Finanzen im April 2016 verdeutlichte.

Warnhinweis für Verbraucher wichtige Entscheidungshilfe

Die aktuelle Befragung zeigt, dass der Risikohinweis aus Verbrauchersicht ein wichtiges Instrument ist. Seit Mitte 2015 ist für einige Produkte des Grauen Kapitalmarktes ein Risikohinweis in der Werbung verpflichtend. Anbieter müssen auf einen möglichen Totalverlust der Investition hinweisen. Insgesamt 70 Prozent der Befragten gaben an, dass der neue Risikohinweis ihre Anlageentscheidung eher stark oder sogar sehr stark beeinflussen würde. Lediglich acht Prozent der Befragten hielten den Risikohinweis für gar nicht entscheidungsrelevant.

Umfrage zum Grauen Kapitalmarkt:

Methode: Computergestützte Telefoninterviews (CATI), Stichprobengröße: n = 1002, Stichprobenbeschreibung: repräsentative Bevölkerung ab 18 Jahren, Zeitraum der Durchführung: 15. bis 30.11.2016, Durchführendes Institut: Kantar EMNID

Teamleitung

Wolf Brandes
Marktwächter Finanzen
Verbraucherzentrale Hessen

Pressekontakt

Timo Beyer
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