Nutzergenerierte Inhalte

27.11.2015

Nutzerinformationen als neue Währung im Internet

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Credit: photopitu / fotolia.com

Im Internet bewerten Verbraucher Produkte, äußern in Foren ihre Meinung oder pflegen persönliche Profile in Netzwerken wie Facebook. Zu nutzergenerierten Inhalten zählen aber ebenso persönliche Daten, die Anbieter über Verbraucher sammeln und beispielsweise zur Profilbildung nutzen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen untersucht deshalb im Projekt Marktwächter Digitale Welt das Themenfeld nutzergenerierte Inhalte und analysiert Verbrauchererfahrungen mit Online-Inhalten wie Texten, Videos oder Bilder, die von Verbrauchern selbst erstellt und anderen öffentlich im Internet zur Verfügung gestellt werden. 

Die Beteiligung von Verbrauchern im Social Web ist hoch: Laut Umfragen waren bereits 2014 knapp drei Viertel der Befragten in Deutschland in Internetforen aktiv. Von nutzergenerierten Inhalten spricht man, wenn Internetnutzer selbst Inhalte ins Netz hochladen, dort beispielsweise Kommentare hinterlassen, auf Facebook Bilder teilen oder kommentieren, wenn sie bloggen, Videos auf Instagram oder YouTube hochladen oder Bewertungen bei Amazon abgeben. Im Internet findet sich längst eine Vielzahl von Webseiten, die ganz oder teilweise auf nutzergenerierte Inhalte setzen. Bei Videoplattformen wie YouTube oder MyVideo tragen diese häufig sogar zum Erfolg des Geschäftsmodells bei. Im Dezember 2014 wurde durchschnittlich 300 Stunden Videomaterial pro Minute bei der Videoplattform YouTube hochgeladen, täglich finden dort mehr als zwei Millionen Klicks statt. Unternehmen kaufen sich bei den Portalen ein, um Werbung zu schalten, das Einstellen von Werbebannern wird den Unternehmen berechnet, ebenso wie das Einblenden von Werbespots beim Abspielen von Videos. Und genau hiermit verdienen die Portale ihr Geld. Neue Technologien im Online-Bereich führen dazu, dass nutzergenerierte Inhalte weiter das bedeutsamste Element des Web 2.0 bleiben werden. Besonders die immer bessere Hardware, günstigere Preise für Online-Speicherplatz oder die zunehmende Online-Verfügbarkeit tragen dazu bei.

Verbraucher geben im Netz auch unbewusst viel Preis

Verbraucher erstellen nutzergenerierte Inhalte oft auch unbewusst. Anbieter erheben über Nutzer bei der Verwendung von Online-Diensten automatisiert Daten, beispielsweise über die Buttons und Funktionen von Facebook, Flattr oder Twitter. Beim Laden wird dem Unternehmen übermittelt, wo sich der Verbraucher gerade befindet, wo er sich zu was informiert und was er gerade bestellt. Diese zählen ebenso zu den nutzergenerierten Inhalte. In vielen Bereichen, wie Gesundheit, Ernährung und Fitness, aber auch im Verkehrsbereich, existiert zudem ein großes Angebot an Anwendungen und Geräten, die explizit darauf ausgerichtet sind, vielfältige Daten zu erfassen, zu verarbeiten und auch zur Profilbildung zu nutzen. Ein Fitness-Tracker beispielsweise sammelt ganz automatisch über die Schrittzähl-Funktion oder Pulsmessung Daten vom Nutzer. Diese Informationen können für bestimmte Institutionen wie Krankenkassen und Versicherungen von hohem Interesse sein. Über Telematik-Boxen im Auto können beispielsweise Daten über die genaue Position des Fahrers, sein Fahrverhalten oder seine Musikvorlieben erhoben werden. Fahrzeuge werden aller Voraussicht nach künftig in steigendem Maße Daten erzeugen und diese mit externen Systemen austauschen. Das Beratungsunternehmen Strategy& schätzt, dass das weltweite Marktvolumen von Connected-Car-Technologien bis zum Jahr 2021 auf 226,7 Milliarden Euro steigt. Derartige Informationen über den Fahrer sind ebenso nutzergenerierte Daten und können von Unternehmen genutzt werden, zum Beispiel durch personalisierte Werbebotschaften an den Verbraucher.

Auch bei nutzergenerierten Inhalten, die Verbraucher bewusst erstellen, lauern Stolperfallen. Wenn ein Verbraucher beispielsweise eine Auswahl seiner aktuellen iPod-Playlist auf Facebook zur Verfügung stellt und die Musik dadurch auch den Freunden seiner Freunde zugänglich macht, können schnelle Probleme mit Urheberrechtsverletzungen auftreten. Außerdem lassen sich Anbieter sozialer Netzwerke wie Facebook in den Geschäftsbedingungen vom Nutzer häufig weitreichende Rechte an den von ihm erstellen Inhalten abtreten. Das betrifft auch vom Verbraucher eingestellte, oder geteilte Fotos oder Videos. Beispielsweise willigt der Nutzer mit Einwilligung in die AGBs in unveränderbare, unbefristete, weltweit gültige Lizenz ein, dass alle Inhalte, die er als Nutzer hoch lädt, vom Betreiber verwendet, kopiert, veröffentlicht, gespeichert, auszugsweise genutzt, verbreitet etc. werden dürfen.

Nordrhein-Westfalen sucht nach Missständen bei nutzergenerierten Inhalten

Aus Verbraucherschutzsicht ergeben sich im Zusammenhang mit nutzergenerierten Inhalten diverse Missstände und Lücken auf dem Markt, die verschiedene rechtliche Bereiche betreffen, etwa das Urheber-, Datenschutz- sowie das Persönlichkeitsrecht.

Im Projekt Marktwächter Digitale Welt greift die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalenin ihrem Schwerpunkt Nutzergenerierte Inhalte diese und ähnliche Fragestellungen auf, beobachtet das aktuelle Marktgeschehen sowie Trends in diesem Bereich und setzt sich auf Grundlage der gesammelten Erkenntnisse für ein höheres Verbraucherschutzniveau in der digitalen Welt ein.

Erklärvideo: Schwerpunkt Nutzergenerierte Inhalte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

Projektleitung

  • Sven Scharioth
    Projektleiter Marktwächter Digitale Welt beim vzbv
  • Timo Beyer
    Referent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    (030) 258 00-529

Teamleitung

  • Dr. Anne Schulze
    Marktwächter Digitale Welt
    Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen
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